Vielleicht habt ihr sie auch schon im Feed gehabt. Ein Glatzkopf im Rammstein-Hoodie steht in seiner Werkstatt, schleift an einer Epoxidharz-Lampe mit Till-Figur und Flammenwerfer-Flügeln, und darüber steht in dicken Lettern: „Soll ich wirklich aufhören diese Lampen zu machen? 🥲" In einem anderen Clip motzt seine Frau, er solle sich gefälligst einen echten Job suchen. Herzzerreißend. Und komplett erfunden.
Schaut euch die Videos einmal in Ruhe an, dann fällt es auf. Auf dem Hoodie steht nie „RAMMSTEIN". Mal ist es „RIMM MS..N", mal „REMMS+HN", mal reiner Buchstabensalat – und zwar in jedem Clip anders. Der Mann selbst ist auch nie derselbe: mal schmaler, mal breiter, andere Kopfform, andere Ohren. Und die Harz-Physik ist Quatsch. Da steht eine Figur mitten im flüssigen Harz, ohne dass sich irgendwas bewegt, während perfekte Farbwirbel aus dem Nichts entstehen. Wer schon mal echtes Epoxidharz gegossen hat, weiß: So läuft das nicht mal ansatzweise.
Die Masche selbst ist übrigens ein alter Hut in neuem Gewand. ABC News hat im Mai Dutzende Shops enttarnt, die mit fast identischen KI-Clips werben – immer der arme Handwerker, immer die Familie, die ihn zum Aufgeben drängt, nur das Produkt wechselt. Mal sind es Mario-Lampen, mal handgenähte Mützen. Jetzt ist eben Rammstein dran.
Die Videos führen alle zum selben Ziel: rammsteinkunst(.)com, wo die Lampe für 94,95 Euro angeboten wird, natürlich „reduziert" von 149,95. Der Laden ist ein Shopify-Store, der erst im Juli hochgezogen wurde – und er hat nichts von dem, was ein seriöser Händler haben muss. Kein Impressum. Keine AGB. Keine Widerrufsbelehrung. Keine Adresse, kein Name, keine E-Mail. Nur ein anonymes Kontaktformular. Für einen Shop, der gezielt deutsche Kunden anspricht, ist das schlicht rechtswidrig, und Verbraucherschützer sagen seit Jahren dasselbe dazu: kein Impressum, Finger weg.
Der Rest passt ins Bild. Ein Dauerbanner brüllt „RABATT ENDET HEUTE 🎸", die „Bewertungen" stehen ohne jede Prüfmöglichkeit direkt auf der Produktseite, und geliefert wird angeblich als „Vorbestellung" in 40 bis 60 Werktagen. Das ist exakt das Zeitfenster, in dem bei solchen Läden entweder gar nichts ankommt oder irgendein Billigteil aus Fernost, das mit dem Video nichts zu tun hat.
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Und um das klarzustellen: Mit der Band hat das alles nichts zu tun. Name und Logo von Rammstein sind seit 1995 als Marke geschützt, offizielles Merch gibt es nur im offiziellen Rammstein-Shop und bei autorisierten Händlern wie EMP. Eine Harzlampe mit Till-Figur findet ihr dort nicht – aus gutem Grund.
Wer bezahlt hat, sollte keine Zeit verlieren. Bei PayPal sofort einen Käuferschutz-Fall aufmachen – aber Achtung, wer über „Geld an Freunde senden" gezahlt hat, geht leer aus, und genau diese Option stellen Fake-Shops gern voreingestellt ein. Kreditkartenzahler beantragen bei ihrer Bank ein Chargeback, dafür habt ihr bis zu 120 Tage Zeit. Lastschriften lassen sich acht Wochen lang zurückbuchen. Bei klassischer Überweisung hilft nur der sofortige Anruf bei der Bank, ein Rückruf klappt meist nur in den ersten Stunden. Sichert in jedem Fall Screenshots und Belege, erstattet Anzeige über die Online-Wache eurer Landespolizei und meldet die Werbung bei TikTok beziehungsweise Meta, damit sie nicht noch mehr Fans erwischt.
Fürs nächste Mal gilt: verstümmelte Schrift im Video, wechselnde Gesichter, kein Impressum im Shop, Countdown-Druck und wochenlange „Vorbestellungen" – das sind die Alarmzeichen. Im Zweifel jagt den Shop durch den kostenlosen Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale. Oder haltet es einfach: Merch nur da kaufen, wo die Band es selbst verkauft.
Ob rammsteinkunst(.)com am Ende gar nicht oder nur Schrott liefert, lässt sich bei einem so jungen Shop noch nicht sagen. Alles andere – KI-Videos, fehlendes Impressum, fehlende Lizenz – ist belegt.

Über Monate hinweg gab es aus Teilen der Community Beleidigungen, Anfeindungen und schließlich Morddrohungen. Wir haben Anzeige erstattet. Und jetzt reden wir Klartext.

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