Am 3. und 4. Juli 2026 hat Till Lindemann sein erstes eigenes Festival gefeiert: das „Till Fest" vor dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal, in der Geburtsstadt des Rammstein-Sängers. Unter dem Motto „One Festival. Two Shows. Two Worlds." trat Lindemann an beiden Abenden mit unterschiedlichen Sets als Headliner auf – seine einzigen beiden Europa-Konzerte des Jahres.

Rund 13.000 Besucher kamen laut Veranstalter zum ersten Festivaltag. Vor dem Event war über beide Tage mit insgesamt rund 25.000 Fans gerechnet worden, viele davon aus Osteuropa. Ausverkauft war das Festival nicht – nur der bühnennahe Golden Circle war vergriffen. Die monumentale Kulisse des Denkmals prägte den Charakter der Veranstaltung. Zwei Bühnen – die große Hauptbühne und eine kleinere Golden Stage im Publikumsbereich – sorgten dafür, dass Umbaupausen fast vollständig entfielen.

Der Freitag begann mit Kite Thief, dazu spielten Mimi Barks und Lowlife auf der Golden Stage sowie Aesthetic Perfection. Zu den Höhepunkten zählten die Industrial-Pioniere Ministry um Frontmann Al Jourgensen, die sechsmal für den Grammy in der Kategorie „Best Metal Performance" nominierte Multiplatin-Band aus den USA: Während des Klassikers „Just One Fix" betrat Lindemann überraschend die Bühne für einen Gastauftritt. Anschließend übernahm er selbst – in schwarzer Uniform mit goldenen Akzenten, begleitet von großflächigen Videoprojektionen und den bekannten Provokationen. Bei „Allesfresser" flogen Torten ins Publikum, „Blut" erfrischte die ersten Reihen mit Wasserfontänen. Für eine Überraschung sorgte das Héroes-del-Silencio-Cover „Entre dos tierras". Zum Abschluss sang Lindemann Marlene Dietrichs „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Zudem kündigte er eine Live-DVD aus Krakau für Ende September an.
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Am Samstag wechselte das Line-up: Hemlock, Hocico, Erdling und Cober Mouth ergänzten die erneut spielenden Ministry und Aesthetic Perfection. Lindemann löste das Versprechen der zwei Welten ein und spielte eine deutlich andere Setlist mit mehreren Live-Debüts, darunter „Nass", „Meine Welt" und „Es brennt…". Besonders gefeiert wurde das lang ersehnte „Yukon", das er mitten im Publikum darbot. „Und die Engel singen" diente erstmals als Schlusssong.
Presse und Fans reagierten überwiegend positiv auf Show und Organisation: reibungsloser Ablauf, großes Gastronomieangebot, entspannte und friedliche Stimmung trotz hoher Besucherzahl. Die Berliner Zeitung beschrieb die Gratwanderung zwischen Poesie und nicht jugendfreier Provokation; der Zutritt war erst ab 18 Jahren erlaubt. Viral gingen Videos, die Lindemann beim Gang durch die Menge zeigen.

Begleitet wurde das Festival von deutlicher Kritik. Die Stiftung Völkerschlachtdenkmal hatte sich schon im Oktober 2025 distanziert und betont, die Veranstaltung sei ohne ihre Beteiligung angesetzt worden; ihr Vorsitzender Anselm Hartinger nannte Lindemanns martialisches Auftreten unpassend für den sensiblen Ort. Auch Oberbürgermeister Burkhard Jung hielt den Standort für ungeeignet, und die Leipzigerin Katrin Lehmann startete eine Petition, in der sie u. a. Sicherheitsrisiken und Gefahren für FLINTA-Personen anführte. Am Donnerstagabend demonstrierten unter dem Motto „Kein Applaus für Lindemann" junge Menschen in der Innenstadt. Am Konzertort selbst blieb es nach dpa-Beobachtung ohne größere Proteste; ein offizielles Wochenend-Fazit der Polizei zum zweiten Tag lag zunächst nicht vor.
Unterm Strich war das erste Till Fest ein eindrucksvolles Heimspiel: monumentale Kulisse, kompromissloser Industrial-Metal und zwei bewusst unterschiedliche Shows. Ob das Völkerschlachtdenkmal der richtige Ort dafür ist, bleibt umstritten – die Stadt prüft, künftige Konzerte dort einzuschränken.









