
2013 war Peter Tägtgren schon eine gut beschäftigte Größe im Scandinavian-Metal-Orbit, als er begann, regelmäßig mit Till Lindemann im Studio zu arbeiten. Was dabei herauskam, klang nach weder Rammstein noch Hypocrisy – es klang nach einem gemeinsamen Ausweg aus dem, was beide in ihren Hauptbands nicht spielen konnten. Skills in Pills (2015) war das Ergebnis: komplett auf Englisch, düsterer als die meisten erwartet hatten, und eigenständig genug, um nicht als Seitenprojekt abgehakt zu werden.
F & M kam 2019, diesmal auf Deutsch. Platz 1 in den deutschen Charts, Gold-Zertifizierung. Die Singles liefen, die Videos erzeugten Diskussionen – Knebel im Besonderen. Dann 2020 das Ende der Zusammenarbeit: Tägtgren verabschiedete sich, Lindemann machte weiter.

Verfolgen Sie die Entwicklung der Bandbesetzung über die Jahre

Jes Paige
2022 - 2025

Dani Sophia
2025 - 2025

Krissy Kaminski
2025 - Heute

Constance Day (Antoinette)
2023 - 2025

Brynn Route
2025 - Heute

Danny Lohner
2022 - Heute

Joe Letz
2022 - Heute

Emily Ruvidich
2022 - Heute
Legende
Das Ende der Zusammenarbeit mit Tägtgren war kein Rückschritt. Lindemann entschied, das Projekt unter seinem eigenen Namen weiterzuführen – und das ist wörtlich zu nehmen: kein Co-Autor mehr, kein gleichberechtigter Partner im Studio. Zunge (2023) hat er eigenständig veröffentlicht – ohne Labelbindung, auf eigene Rechnung.
Das klingt nüchtern, hat aber Konsequenzen. Das Album klingt, als wäre jeder Entscheidungsprozess abgekürzt worden. Manche Songs profitieren davon.
Zunge erschien am 3. November 2023. Vorher kamen Schweiß, Lecker, Nass, Sport frei und Zunge als Singles. Die Zunge-Tour (2023–2024) schloss sich direkt an. Danach kamen Übers Meer, Meine Welt, Und die Engel singen – und eine weitere Tournee.
Das Tempo, in dem er seitdem veröffentlicht – parallel zu seiner Rolle bei Rammstein – ist bemerkenswert. Ob da noch ein Album kommt, ist offen. Dass er nicht aufhört, weniger.
Eine Till-Lindemann-Show ist keine abgespeckte Rammstein-Show. Die Produktionen sind eigenständig konzipiert, in kleineren Venues, aber spezifisch auf den Solo-Kontext zugeschnitten. Bizarre Skit-Sequenzen zwischen den Songs, eine Live-Band mit einem ungewöhnlichen Casting, Bühnenbilder, die weniger auf Spektakel setzen als auf Atmosphäre.
Was auffällt: Die Shows haben Humor. Nicht den zugänglichen Wohlfühl-Humor – eher den Typ, bei dem man sich nicht sicher ist, ob man lachen soll. Das passt zu den Songs, und zu Lindemann generell.

Lindemann schreibt auf Deutsch, und er schreibt so, wie man auf Deutsch schreibt, wenn man keine Angst hat. Die Texte sind konkret, manchmal brutal direkt, manchmal so konstruiert, dass der Witz erst nach dem dritten Hören aufgeht. Er war nie dafür bekannt, Kritik an seinen Texten ernst zu nehmen – das ist keine Kritik, nur eine Beobachtung.
Im Solokontext ist er freier als bei Rammstein – nicht weil Rammstein ihn einschränken würde, sondern weil hier alle Entscheidungen allein bei ihm liegen.
Was als Nächstes kommt, ist nicht angekündigt. Lindemann arbeitet, das ist bekannt. Singles laufen regelmäßig, und die Tendenz der letzten Jahre zeigt, dass zwischen Releases und Touren wenig Leerlauf ist.
Was das Projekt interessant macht, ist nicht die Unvorhersehbarkeit an sich – es ist die Tatsache, dass er nach wie vor der einzige Rammstein-Frontmann ist, der ein relevantes Soloprojekt am Laufen hält.